Lebensrealitäten in Achada Grande
Straßenbeleuchtung, ein Badezimmer mit funktionierender Toilette, ein eigenes Bett – all das ist für uns selbstverständlich. Doch für viele Menschen auf der Welt gilt das nicht. So auch für einige Familien in Achada Grande, einem Stadtteil der Stadt Praia auf der Insel Santiago in Kap Verde. Nicht weit vom touristischen Zentrum entfernt leben hier Menschen unter einfachen, oft sehr schwierigen Bedingungen.
Im April dieses Jahres haben wir die Menschen vor Ort besucht und uns selbst ein Bild von der Situation gemacht. Begleitet wurden wir dabei von Daniel Cardoso Borges, der selbst aus Achada Grande kommt und dort lebt. Seit vielen Jahren unterstützt er mit seiner NGO Efaq seine Community, indem er mit seinem Team kostenlose Bildungs- und Sportangebote für Kinder im Viertel organisiert. Damit schafft er Perspektiven, vermittelt wichtige Werte und beugt Risiken vor, die durch fehlende Beschäftigung entstehen können. Gleichzeitig kennt er dadurch nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Familien und deren Bedürfnisse sehr genau.
Dani hat uns einige Familien vorgestellt und uns durch das Viertel geführt. Schnell wurde klar: Hier wird Unterstützung gebraucht – und wir möchten helfen.



Einige Familien besitzen gerade das Nötigste, anderen fehlt es sogar an grundlegenden Dingen. Manche haben keine Toilette, sondern lediglich einen Eimer, den sie draußen entleeren müssen. Wie Dani es ausdrückte: Würde beginnt mit einer Toilette. Sie gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben – sanitäre Versorgung ist ein Menschenrecht. Dieses Recht wird auch im Nachhaltigkeitsziel Vereinte Nationen SDG 6 („Sauberes Wasser und Sanitärversorgung“) verankert, das den Zugang zu sicheren Sanitäranlagen für alle Menschen fordert.
Auch beim Schlafen fehlt es oft an Raum und Ausstattung: Familien mit vielen Kindern teilen sich zu dritt oder viert eine Matratze, manche Menschen, auch Kinder, schlafen auf dem Boden.
Nicht zuletzt ist auch die Sicherheit ein Thema. Wir haben das Zuhause einer älteren Frau besucht, das aus einem kleinen Raum mit Bett, Kühlschrank und wenigen Aufbewahrungsmöglichkeiten besteht. Das Dach ist brüchig, immer wieder lösen sich Teile, teilweise auch größere Stücke, die herunterfallen.


Unsere geplanten Projekte
Anschaffungen zur Selbstständigkeit
Auf den Kapverden sind es oft die Frauen, die den Lebensunterhalt für ihre Familien sichern. Auch in Achada Grande gibt es viele motivierte Frauen, die arbeiten möchten, doch häufig fehlt ihnen die notwendige Ausstattung.
Mit der Finanzierung von Öfen, Kühlschränken oder Sonnenschirmen können sie kleine Verkaufsstände aufbauen und selbst zubereitetes Essen anbieten, ohne dass es verdirbt. Schon kleine Investitionen ermöglichen es, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften und langfristig unabhängiger zu werden.
Aufbau von Straßenbeleuchtung
Mehr Beleuchtung im öffentlichen Raum verbessert nicht nur das subjektive Sicherheitsempfinden in der Nacht. Studien zeigen auch einen klaren Zusammenhang zwischen Dunkelheit und Kriminalität. So konnte eine Metaanalyse des Schwedischen Nationalrats für Kriminalprävention zeigen, dass verbesserte Straßenbeleuchtung in untersuchten Gebieten zu einem signifikanten Rückgang der Kriminalität um rund 14 Prozent führte.
Deshalb möchten wir im Viertel zusätzliche Straßenbeleuchtung installieren – für mehr Sicherheit und ein besseres Wohlbefinden.
Bau von Schlafräumen an der Schule
Schulbildung ist auf den Kapverden verpflichtend und wird bis zu einem gewissen Grad staatlich finanziert. Auch die Schule in Achada Grande bietet vielen Kindern Zugang zu Bildung. Doch nicht alle können regelmäßig am Unterricht teilnehmen.
Einige Kinder haben einen sehr langen Schulweg oder erhalten zu Hause nicht die notwendige Unterstützung. Dadurch verpassen sie immer wieder Unterricht und haben schlechtere Bildungschancen.
Um dem entgegenzuwirken, plant die Schule den Bau von Schlafräumen. Kinder mit weitem Schulweg oder schwierigen familiären Bedingungen könnten dort unter der Woche übernachten und so regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Die Planung steht bereits, es fehlt jedoch an den finanziellen Mitteln, um das Projekt umzusetzen.
Unterstützung für Landwirt:innen
Neben Achada Grande möchten wir auch Landwirt:innen im Landesinneren unterstützen. Die Wirtschaft auf Santiago basiert zu einem großen Teil auf Landwirtschaft und Viehzucht. Angebaut werden unter anderem Tomaten, Papaya, Bananen, Kartoffeln, Mangos und Zuckerrohr.
Im Austausch mit den Landwirten wurde schnell klar, was konkret gebraucht wird: Bewässerungssysteme, Solarpanels, Wassertanks und weitere grundlegende Ausstattung, um die Arbeit effizienter zu gestalten.
Kap Verde ist stark von Trockenheit betroffen – Wasser ist eine der größten Herausforderungen. Mit der richtigen Unterstützung können Erträge gesteigert und langfristige Perspektiven geschaffen werden.


Chancen für nachhaltige Entwicklung
Achada Grande hat großes Potenzial. In der Vergangenheit haben Künstler:innen das Viertel mit Wandgemälden und Kunstwerken geprägt, und vereinzelt finden bereits geführte Touren statt. Doch noch ist das Viertel für viele kaum sichtbar.
Dabei bietet die Lage beeindruckende Ausblicke auf die Stadt und das Meer. Mehr Tourismus könnte neue Chancen schaffen: Frauen hätten mehr Kundschaft für ihre Verkaufsstände, Männer neue Perspektiven auf Arbeit.
Was wir vor Ort gesehen haben, zeigt vor allem eines: Veränderung ist möglich. Wie Dani sagt, können schon einzelne Projekte hier viel bewegen und langfristig strukturelle Veränderungen anstoßen.



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